Deister-Weser-Zeitung: Kann schwarze Erde die Lösung sein?

Eine nachhaltigere Landwirtschaft? Ein Hamelner Verein erklärt, wie das möglich wäre.

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Lara Hartung
„Terra Preta“ will einen Weg zur nachhaltigen Landwirtschaft unterstützen
Sie ist mehr als 2500 Jahre alt, kann Böden langfristig fruchtbar machen und der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen. Was ist dran an der
Wundererde „Terra Preta“? Das erklärt der gleichnamige Hamelner Förderverein im Gespräch mit der Dewezet.

Während beim Thema Nachhaltigkeit die Diskussionen oft rund um erneuerbare Energien, Recycling oder
Mobilität kreisen, sind Dr. Stephan Martini (72) und Dagmar Kreider-Kockel (64) sich sicher: Ein großes Potenzial
stecke auch im Boden.
Die beiden beschäftigen sich mit „Terra Preta“, was aus dem Portugiesischen übersetzt so viel bedeutet wie
„schwarze Erde“. Sie könne helfen, Böden langfristig fruchtbar zu machen und das Klima zu schützen – sowohl in
der Landwirtschaft als auch im eigenen Garten.
Doch wie soll das funktionieren? Das erklärt Martini, der Vorstandsvorsitzende des Hamelner Fördervereins Terra
Preta, vereinfacht so: Die Schwarzerde bestehe zu einem großen Teil aus Pflanzenkohle, die durch das Erhitzen
von Biomasse entstehe. Schon bei der Herstellung dieser Kohle werde ein Teil des Kohlenstoffs aus der Biomasse
in eine sehr stabile Form umgewandelt, statt als CO2 wieder in die Atmosphäre zu gelangen.
Wird die Pflanzenkohle später als Terra Preta in den Boden gebracht, bleibe der Kohlenstoff dort über
Jahrhunderte gespeichert und werde somit der Atmosphäre langfristig entzogen.
Unter der Erde bringe die Schwarzerde dann weitere Vorteile mit sich: „Sie erhöht die Fruchtbarkeit des Bodens,
fördert die Biodiversität, speichert Wasser im Boden und trägt zu der Resilienz der Pflanzen bei“, erklärt Martini.

Zwar koste Terra Preta laut Martini etwa zweimal mehr als Pestizide und Kunstdünger, müsse aber nur einmal in
die Erde gebracht werden und sei deutlich nachhaltiger. Der Humusaufbau, also die Entstehung eines sehr
fruchtbaren Bodens, dauere mithilfe von Terra Preta etwa fünf Jahre. Schon früher zeige die Schwarzerde aber
bereits erste Effekte. Die Entstehung von Humus ohne Terra Preta dauere hingegen rund 100 Jahre. Schon vor
rund 2500 Jahren sollen indigene Völker ihre Böden gezielt mit Schwarzerde bewirtschaftet haben. Doch obwohl
Terra Preta wie eine wundersame Rettung für die Fruchtbarkeit von Böden erscheint, greifen viele Landwirte
heute zu chemischen Kunstdüngern und Pestiziden – warum?
Als einen der bedeutendsten Gründe sehen die Hamelner Vereinsmitglieder die mangelnde Wirtschaftlichkeit von
Terra Preta für Hersteller an. Mit dem Verkauf und der Produktion von Pestiziden und Kunstdünger könne
deutlich mehr Umsatz generiert werden – unter anderem, weil die Schwarzerde von Landwirten nicht jedes Jahr
neu gekauft werden müsse, die Produktion sich komplexer gestalte und teilweise nicht alle Krankheiten so schnell
bekämpft würden, wie mithilfe von Pestiziden. Viele Landwirte würden laut Martini und Kreider-Kockel außerdem
nicht genug über die Schwarzerde wissen oder lieber an ihrer bisher funktionierenden Bodenbearbeitung
festhalten.
Trotzdem wollen Martini und Kreider-Krockel nicht aufgeben. Es treibe sie an, die Früchte zu sehen, die ihre
Arbeit wortwörtlich trägt – zum Beispiel bei Projekten im In- und Ausland.
„Ich mache das für meine Enkelkinder, die sind neun und zehn. Ich will die Erde nicht so hinterlassen, wie sie jetzt
ist“, sagt Kreider-Kockel.
Für die Zukunft wünschen die beiden sich etwas, das erst einmal absurd wirkt – „dass wir den Verein in ein paar
Jahren nicht mehr brauchen“, sagt Martini. Terra Preta solle sich dann einer so großen Bekanntheit erfreuen, dass
ihr Verein nicht länger auf die Schwarzerde aufmerksam machen müsse.

Dagmar Kreider-Kockel und Dr. Stephan Martini wollen mit ihrem Verein etwas in der Landwirtschaft bewegen. FOTO: Lara Hartung

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